Fachgespräch mit dem DGV vom 24. August 2022

Rechtsthemen

Als Ergebnis der Gespräche mit der DGV-Verbandsführung hatte der Verband mit Schreiben vom 17.03.2022 eine Erklärung abgegeben. Darin heißt es, dass sich der Verband mit von der Initiative aufgeworfenen Fragen und Positionen ernsthaft auseinandersetzt und dazu auch Fragen der datenschutzrechtlich einwandfreien Abbildung aller Prozesse gehören. Er bleibe dazu gern zu angesprochenen Fragen mit den in der Initiative dazu engagierten Fachleuten in einem engen Austausch und ein Fachtreffen sei dazu zur Jahresmitte geplant. Dieses Treffen hat nun stattgefunden. Seitens des DGV waren Vorstand Recht und Services Alexander Klose und der Bereichsleiter Recht und Services Dr. Marc Seymer vertreten. Für Golf in Bewegung nahmen equeo CompCor Geschäftsführer Karl Würz und GKMB Geschäftsführer Joachim Geffken an dem sehr konstruktiven und ergebnisorientierten Gespräch teil.

Die wichtigsten Gesprächsergebnisse in der Übersicht:
 

  • Die die vom Arbeitskreis Recht angemahnte Anpassung der Aufnahme- und Mitgliedschaftsrichtlinien (AMR) an das WHS ist zwischenzeitlich erfolgt und steht den DGV Mitgliedern zur Verfügung. Es bestand Einvernehmen darüber, dass die Umsetzung bei den DGV Mitgliedern – sofern dies noch nicht erfolgt ist – alsbald erfolgen muss. Da es dazu teilweise bei den DGV Mitgliedern der Beschlussfassung in deren Mitgliederversammlungen bedarf, sollen die Anforderungen an die DGV Mitglieder rechtzeitig vor Beginn der Versammlungssaison noch einmal kommuniziert werden. Herr Würz und Herr Geffken erklärten sich bereit, bei der Kommunikation in geeigneter Form zu unterstützen.
  • Die rechtlichen Rahmenbedingungen der das WHS System begleitenden Datentransfers der handicaprelevanten Spielergebnisse zwischen nationalen WHS Servern innerhalb der EU sind in den neuen AMR berücksichtigt. Der DGV sieht vor der praktischen Umsetzung möglicher weltweiter Datentransfers noch beträchtlichen Klärungsbedarf und erwartet aus technischen, kapazitiven und datenschutzrechtlichen Erwägungen keine zeitnahe Umsetzung solcher Datentransfers.
  • Der von Herrn Würz dargestellte Überarbeitungsbedarf der Datenschutz-Vorlagen im DGV Serviceportal (Aktualisierung) wurde vom DGV bestätigt. Die Bereitschaft von Herrn Würz, die aktuellen Vorlagen seines Unternehmens kostenlos bereitzustellen, wurde begrüßt.
  • Die vom Arbeitskreis Recht angenommene marktbeherrschende Stellung des DGV (im Sinne der Definition des Wettbewerbs- und Kartellrechts) wird vom Verband in bestimmten, allerdings wenigen, Marktbereichen ähnlich gesehen. Herr Klose legte dar, dass die vom Arbeitskreis angeregte Orientierung an den FRAND-Kriterien (Fair, Reasonable and non Discriminatory) insoweit angemessen Berücksichtigung findet.

Status in den anderen Aktionsfeldern

Neben der Rechtsthemen wurden der Status in den anderen Aktionsfeldern erörtert und die jeweiligen Einschätzungen in einem sachorientierten Gedankenaustausch abgeglichen:
 

  • Die zugesagten Verbesserungen der lokal verfügbaren Funktionen für die Anwendung der Handicap-Regeln (Handicap History Sheet und Scoring Record) ist in der konzeptionellen Umsetzung. Die Abstimmung der Entwicklungsplanung mit den CVS Herstellern hat sich pandemie- und ressourcenbedingt verzögert und soll jetzt möglichst im September 2022 erfolgen. Der kürzer gewordenen Zeit für entsprechende Programmanpassungen soll dadurch Rechnung getragen werden, dass der Fokus auf die Umsetzung der zugesagten Änderungen liegen soll und sonstige Anforderungen an die Software-Entwickler für die kommende Saison eher gering gehalten werden.
  • Das durch die Zentralisierung der Handicap-Berechnung entstandene erhöhte Anfrageaufkommen bei turnier- und handicaprelevanten Themen wird aufgrund der jetzt verfügbaren Ressourcen und vieler Verbesserungsmaßnahmen laut Herrn Klose mittlerweile im Tagesgeschäft zügig abgearbeitet.
  • Auch für den Austausch mit den CVS-Anbietern sind personelle Ressourcen erweitert worden. Das von den Anbietern angeregte Ticketsystem zur Dokumentation und Nachverfolgung der offenen Fragen soll für die unterschiedlichen Zielgruppen und Berechtigungen eingerichtet werden und idealerweise (prioritätenabhängig) noch in 2022 verfügbar sein.
  • Die bei Ligawettspielen aufgetretenen Serviceausfälle beim Livescoring bzw. bei der Ergebnisübermittlung sind noch zu verbessern. Die Resilienz der Infrastruktur bei gezielten Cyberattacken ist verbessert worden.
  • Unsere Anregung, Ligaergebnisse seitens des DGV mit einer werbefreien API für seine Mitglieder und deren Webseiten bereitzustellen, wurde zur Prüfung aufgenommen.

Weitgehende Einigung erreicht

Gespräche zwischen der DGV Führung und der Initiative zeigen konkrete Ergebnisse

Kritik- und Problempunkte

Nach einem - aufgrund der von der Initiative Golf in Bewegung vorgebrachten Kritik erwartbaren - holprigen Start ist es gelungen, ein weitreichendes Einvernehmen nach einer Serie von konstruktiven Gesprächen mit der DGV Führung zu erreichen.

Im Wesentlichen ging es nach diversen Experten- und Arbeitskreisgesprächen und einer großen Marktumfrage um drei Themenkomplexe:
 

  • die zentrale Abwicklung von vielen Services für den Golfsport durch den Verband in Verbindung mit der Einführung des World Handicap Systems. Dadurch war es in den Vereinen und Golfanlagen unmöglich geworden, bestimmte altgewohnte Informationen rund um das Handicap und den Spielbetrieb zeitnah oder überhaupt bereitzustellen. Die Abwicklung einiger Geschäftsprozesse wie z.B. die Eintragung eines Ersthandicaps waren aufwändiger geworden.
  • die vermehrte Nutzung der Daten der Golferinnen und Golfer für zentrale Werbezwecke. Die Abwicklung obwohl datenschutzrechtlich einwandfrei im Rahmen des "Permission Marketings" stieß auf erhebliche Kritik in Verbindung mit der zeitgleich eingeführten Zentralisierung des World Handicap Sytems und im Hinblick auf die Einwirkung auf lokale Geschäftsfelder wie z.B. ProShops, Sponsoring und lokale Werbeaktivitäten.
  • die in Verbindung mit Datenweitergaben verbundenen Rechtsfragen.

Lösungen, Zusagen und Absichten

Zu allen drei Themenbereichen sind in den Gesprächen Einigungen über Änderungen bzw. klare Positions- und Absichtsbestimmungen erreicht worden. Der Kurzüberblick:

  • Bereits mit dem Saisonstart 2022 sind eine Reihe Service- und Ablaufverbesserungen verbandsseitig umgesetzt worden. Die neuen Versionen der Clubverwaltungsprogramme werden diese Verbesserungen in den Clubs und Golfanlagen verfügbar machen. In einer weiteren Stufe sollen mit dem Saisonstart 2023 alle wesentlichen Informationsfunktionen aus der Zeit vor der Einführung des World Handicapsystems auch wieder lokal verfügbar sein. Die eigentliche Berechnung des HCPI wird dabei sinnvollereweise weiterhin zentral erfolgen, um eine konsitente Berechnung zu gewährleisten.
  • Die zentrale Vermarktung durch die DGV-eigene Vermarktungsgesellschaft DGS soll sich auf überregional agierende Anbieter konzentrieren und die lokalen Geschäftsfelder den Clubs und Golfanlagen überlassen. Zu dem Themenkomplex will der DGV in 2022 drei Veranstaltungen zur Information und zum Gedankenaustausch ausrichten. 
  • Die noch verbliebenen Rechtsfragen sollen noch in der ersten Jahreshälfte 2022 von den Experten der Initiative gemeinsam mit den DGV in ein einer kleineren Arbeitsgruppe behandelt werden. Dabei wird es auch um Fragen der Ausrichtung auf die laufenden EU Gesetzgebungsvorhaben wie z.B. dem Data Act E Plänen gehen.
     

Einzelheiten dazu finden Sie in dem Originaltext des DGV weiter unten auf dieser Seite. Auf der Grundlage dieser Einigung halten wir aus dem Kreis der Gesprächsführer der Initiative (Sprecher Bernhard May und "Kommunikator" Joachim Geffken) die bislang hier erwogene Antragstellung zum DGV Verbandstag für nicht mehr geboten.  Dieser Haltung haben sich die Mitglieder der Initiative in einer Online-Konferenz am 18.3.2022 angeschlossen.


Nachricht des DGV vom 17.3.2022

Sehr geehrter Herr May, sehr geehrter Herr Geffken,

nachdem sich Vertreter der Initiative und des DGV bereits Mitte Oktober, dann Ende Februar und nun erneut am 14.03. ausführlich besprochen haben, konnte eine Verständigung zwischen Ihnen und uns, das weitere Vorgehen betreffend, erzielt werden. Soweit wir zu den von der Initiative aufgeworfenen Fragen inhaltlich, wie nachfolgend dargestellt, kurzfristig Stellung nehmen, hatten Sie signalisiert, noch in dieser Woche den erreichten Stand der Beratung mit weiteren Initiativenvertretern rückzukoppeln. Wir waren mit der gemeinsamen Erwartungshaltung auseinandergegangen, dass der erreichte Beratungsstand eine formale Antragsstellung zum Verbandstag, initiiert oder unterstützt durch die Initiative, entbehrlich machen kann.

Dieses Ziel im Blick, freuen wir uns sehr, wenn es gelungen ist, von der Initiative aufgeworfene Fragen im Dialog zu behandeln, das Für und Wider von Positionen abzuwägen und zu das Gesamtinteresse von Golf in Deutschland berücksichtigenden Lösungen zu kommen.

1. Unabhängig vom kommenden DGV-Verbandstag ist der Verband auch künftig zu einem ernsthaften Dialog bereit, der selbstverständlich auch kritische Themen umfassen mag.

2. Zur Verbesserung der Servicequalität auf den Golfanlagen vor Ort haben wir bereits seit August 2021 Anpassungen zum WHS für die jetzt kommende Saison in der Umsetzung, die wir schon im letzten Jahr konkret benannt hatten; dazu gehört:
 

  • die zeitnahe Bereitstellung eines neu gerechneten (vorläufigen) Handicap-Index bereits nach Turnierabschluss oder einer RP-Runde,
  • die Ermöglichung der lokalen Ersteintragung von Handicap-Indizes (bei Personen, die nicht bereits einen Handicap-Index im DGV-Intranet aufweisen),
  • die vereinfachte Eintragung der Platzreife aus der Clubverwaltungssoftware heraus,
  • den vereinfachten Eintrag des DGV-Kindergolfabzeichens mit automatischem HCPI-Eintrag aus der Clubverwaltungssoftware heraus,
  • die vereinfachte Eingabe von Auslandsspielergebnissen aus der Clubverwaltungssoftware heraus (und darüber hinaus die automatische Übermittlung aus Ländern, die dem International Golf Interface (IGI) angeschlossen sind),
  • die Umsetzung einer „gesplitteten Handicap-Relevanz“ eines Turniers bei „Tiger & Rabbit“,
  • die vereinfachte Eingabe sog. „Penalty Scores“.


Als weiteres Thema wurde durch die Initiative explizit auch der Aspekt „lokale Erstellung von Vorgabentabellen“ benannt. Dem DGV ging es mit der zentralen Zurverfügungstellung (im Zuge der Umstellung zum WHS) allein um eine administrative Neuordnung/Systematisierung. Weitere Ziele verfolgte und verfolgt er damit nicht. Eine Anpassung der Zuständigkeiten bei der Erstellung von Vorgabentabellen werden wir auf unsere To-Do-Liste setzen.

3. In Entwurfstexten zu möglichen Anträgen betreffend „Handicap-Services“ formuliert die Initiative den Wunsch nach einem auch lokalen Zugang zur zentralen HCPI-Verwaltung des Verbandes (Parallelität der Darstellung durch DGV und auf „Club“-Webseite oder -App). Dazu erklären wir, dass eine dementsprechende Neuausrichtung mit dem Ziel der Umsetzung zur Saison 2023 erfolgen soll. Hier geht es erkennbar um die für die Anwendung der Handicap-Regeln relevanten Funktionen (Anzeige von Handicap-Index, Scoring Record und Handicap History Sheet wie beim DGV). Der Grundsatz des zentralen Rechnens des HCPI beim Verband und dazu etablierte technische Standards bleiben bestehen. Die Zurverfügungstellung von Daten für Anwendungen von über o. g. Handicap-Regeln hinausgehende Funktionen bedarf einer Lizenzierung, abhängig vom Verwendungszweck, im Einzelfall.

4. Mit Blick auf den Entwurfstext eines möglichen Antrages zu Vermarktung/ Werbung erklärt der DGV, dabei mit nochmals gesteigerter Sensibilität für die Interessen seiner Mitglieder und deren Leistungsangebot mit dem Fokus „nationale Vermarkung“ vorzugehen. Es besteht weiterhin das für den DGV wichtige Verständnis, dass gerade eine erfolgreiche Vermarktung des Verbandes in Zukunft auch mittel- und langfristig Beitragsstabilität zugunsten der DGV-Mitglieder gewährleistet und, bei entsprechendem Erfolg, die Finanzierung wichtiger Projekte zur Förderung von Golf in Deutschland ermöglicht.

Da dabei grundlegende Fragen auch der mittelfristigen Strategie eine Rolle spielen, wird der DGV im Sommer d. J. den Einstieg zu einem Informationsaustausch und zur weiteren Meinungsbildung mit interessierten Verbandsmitgliedern auf mindestens drei Veranstaltungen an verschiedenen Standorten bundesweit organisieren.

5. Mit Blick auf das Stichwort „Digitalisierung“ gilt, dass wir heute den digitalen Grundstein legen müssen, um zukünftig auch für „Digital Natives“ als starke Golfgemeinschaft insgesamt adäquat aufgestellt zu sein. Für den Verband ist dazu ein moderner und innovativer digitaler Servicerahmen für Golferinnen und Golfer wichtig. Dreh- und Angelpunkt des Golfangebots wird aber auch zukünftig immer die Golfanlage vor Ort sein. Der Verband wird sich nicht etwa an deren Stelle setzen.

6. Soweit aus dem Verbandshandeln der Eindruck entstanden sein mag, der Verband plane eine Art direkter mitgliedschaftlicher Anbindung von Golfern an den DGV, kann dies klar verneint werden. Auch wenn von vornherein fernliegend, bestätigt der Verband zudem, dass er die Unterstützung des Angebots von Fernmitgliedschaften ausschließt.

Der Verband hat sich auch mit weiteren von der Initiative aufgeworfenen Fragen und Positionen von Beginn an ernsthaft auseinandergesetzt. Dazu gehören auch Fragen der datenschutzrechtlich einwandfreien Abbildung aller Prozesse. Der DGV misst dem Thema große Bedeutung bei, stellt bereits einen hohen Standard sicher und bleibt zu einzelnen angesprochenen Fragen gern auch mit den in der Initiative dazu engagierten Fachleuten in einem (bedarfsabhängigen) engen Austausch. Ein Fachtreffen ist dazu zur Jahresmitte geplant.

Unsere Zielsetzung als gemeinnütziger Spitzensportverband ist bei alledem ideell. Am Ende aktueller und künftiger, auch digitaler, Vorhaben steht nicht etwa die Maximierung von Einnahmen für den Verband als Selbstzweck. Jeder Euro dient den gemeinnützigen Satzungszwecken zur Förderung von Golf in Deutschland. Den Verbandshaushalt, und damit die konkrete Verwendung aller Finanzmittel, beschließen unsere Mitglieder jährlich auf dem DGV-Verbandstag.

Dort, aber auch sonst im Verlaufe des Jahres, besteht heute wie künftig die jederzeitige Bereitschaft des Verbandes zum Dialog. Wenn es dabei gelingt, unterschiedliche Auffassungen auch bereits ohne formale Anträge zur Mitgliederversammlung des Verbandes zusammenzuführen, begrüßen wir das besonders. Dabei ist es „das gute Recht eines jeden DGV-Mitglieds“, sich, auch zu kritischen Themen, mit dem DGV jederzeit in die Diskussion zu begeben. Für die Verbandsführung gehört dies zu ihrem Selbstverständnis.
Auch im Hinblick auf den anstehenden Verbandstag bedanken wir uns für den konstruktiven und zielführenden Austausch.

Mit freundlichen Grüßen

DEUTSCHER GOLF VERBAND e.V.

Der Vorstand


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